Digitale Ausbildungs-App: Montage-Prozesse auf dem Tablet vertiefen

Die Fräs- und Bohrmaschinen der FPS Werkzeugmaschinen GmbH sind variantenreich. Bis ein neuer Mitarbeiter alle Handgriffe in der Montage erlernt, kann es eineinhalb Jahre dauern. Um diese Zeit zu verkürzen, kann eine App helfen, welche die Montage strukturiert erfasst und Prozesse nachvollziehbar abbildet. Diese App soll Teil einer größeren Digitalisierungsinitiative bei FPS werden.

Herausforderung: Neue Mitarbeiter schulen.

Wenn die Monteure von FPS Werkzeugmaschinen eine Maschine zusammenbauen, haben sie eine abwechslungsreiche Arbeit vor sich. Es gibt acht verschiedene Konfigurationen, die mal aus 800, mal aus 1500 Teilen bestehen. Für eine komplette Anlage benötigt ein Team vier Wochen. Etwa 350 Maschinen verlassen die Hallen der FPS Werkzeugmaschinen GmbH jährlich.
Doch das reicht nicht, um den hohen Auftragsbestand rasch genug abzubauen. Daher schult FPS derzeit 20 neue Mitarbeiter. Diese schauen zunächst den 50 erfahrenen Monteuren und Meistern zu, um alle Handgriffe kennenzulernen. Ab und zu montieren sie mit.
Besonders strukturiert erfolgt das Anlernen nicht: Das Unternehmen aus Oberbayern hat bislang keinen Standardprozess für den Bau definiert. So dauert bis zu eineinhalb Jahre, bis ein Monteur selbstständig arbeiten kann. Das bindet viel Arbeitszeit der erfahrenen Mitarbeiter, die sich wenig auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können

Möglichkeiten der Digitalisierung: Ein App führt Monteure durch die Montage-Prozesse

Ein digitales Informationssystem als Anlernhilfe – dieser Vorschlag kam anlässlich einer Potenzialanalyse mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg auf. Die App zeigt alle Montage-Prozesse strukturiert auf einem Tablet und erläutert einzelne Arbeitsschritte in Bildern.
Mit der App können unerfahrene Mitarbeiter nachvollziehen, was gemacht werden muss, und sie unterstützt auch erfahrenere Monteure, mit der hohen Variantenvielfalt umzugehen. Den Meistern eröffnet die App die Möglichkeit, die Fortschritte zu kontrollieren – und vor allem: Das Konzept verkürzt die Anlernzeit. Damit unterstützt die App Mitarbeiter aller Alters- und Wissensstufen.
Wie das Grundkonzept aussehen kann, zeigt ein Beispiel von cioplenu: Digitale Arbeitsanweisungen können erstellt und archiviert sowie auf mobilen Endgeräten angezeigt werden. Eine App bei FPS könnte nach demselben Prinzip funktionieren.

© cioplenu Die digitale Arbeitsanweisung von cioplenu kann einfach erstellt, revisionssicher archiviert und auf Tablets angezeigt werden.

 

So funktionierts:

Alle Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten der Monteure werden genau analysiert und Prozessschritte zeitlich erfasst. Als Richtschnur werden Soll-Zeiten für die Montage je Variante definiert.
Nun lassen sich die Montage-Prozesse strukturieren und beispielsweise zwei, drei Standardabläufe identifizieren, die 90 Prozent des Produktspektrums abdecken. Für diese werden einzelne Arbeitsschritte generiert und in der App erfasst.

Das gesamte Wissen zur Montage in einer App

Eine Anlernhilfe kann unterschiedliche Formen der Unterstützung bieten: Eine Übersicht über Prozessschritte, einzelne Arbeitsschritte im Detail und optionale Hilfen wie Schaubilder, Videos oder Konstruktionszeichnungen (siehe Bild).

 Nutzen: Die App optimiert den Ablauf in allen Ausbildungsphasen

Techniker, die gerade erst anfangen, werden vermutlich viel in den Details nachschlagen. Andere in der Übergangsphase haben schon alle Montage-Schritte gesehen. Ihnen reicht die Übersicht über den Gesamtprozess und sie nutzen die Details mehr als Checkliste. Erfahrene Monteure erlangen einen besseren Blick für Zusammenhänge und verschiedene Varianten.
Im Sinne eines modernen Arbeitsplatzes unterstützt die App die Mitarbeiter, die sich engagieren wollen. Sie können zu Hause lernen und schneller Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen.

Ausblick: Prozesse glattziehen

„Der Ansatz mit der Ausbildungs-App klingt verlockend. Er bewirkt viel und FPS könnte ihn schnell umsetzen“, bestätigt Anton Gruber, Vertriebsleiter bei FPS. „Aber uns beschäftigt noch ein weiteres Thema, nämlich unsere Prozesse und unser ERP.“
Das liegt am starken Wachstum der vergangenen zehn Jahre. Das Stammgeschäft mit der Maschinenwartung läuft sehr gut und der Einstieg in den Maschinenbau 2010 hat sich auch ausgezahlt. „Aber es kostete einige Ressourcen, die Maschinen zu entwickeln. Wir hatten einfach keine Zeit, uns um passende Prozesse zu kümmern“, erzählt Gruber. Heute kann das ERP-System viele Prozesse nicht abbilden, die in der Firma vorherrschen, und auch die Strukturen sind unklar. „Die Potentialanalyse hat uns nochmals verdeutlicht, dass wir handeln müssen. Unsere wichtigste Aufgabe ist nun, mit den Strukturen und Prozessen nachzuziehen“, so Gruber. Daher möchte sich FPS für ein Umsetzungsprojekt beim Kompetenzzentrum Augsburg bewerben. Neben der Ausbildungs-App soll dann eine gute Prozesstransparenz geschaffen werden – ein wichtiger Schritt in Richtung Lean

 

Mehrwert der Digitalisierung:

  • Unerfahrene Mitarbeiter können mit der Anlern-App einzelne Arbeitsschritte nachvollziehen und alle Informationen dazu bekommen. Das verkürzt die Anlernzeit und entlastet die erfahrenen Monteure und Meister.
  • Die App unterstützt auch erfahrenere Monteure, mit der Variantenvielfalt umzugehen
  • Das Konzept sichert dem Unternehmen das Prozesswissen seiner Mitarbeiter
  • Das Unternehmen kann sich mit der App als moderne Ausbildungsstätte profilieren. Das hilft, junge Fachkräfte anzuziehen.

Unternehmensprofil:

Die FPS Werkzeugmaschinen GmbH hat 1994 mit einer Service-Truppe von elf Leuten begonnen, Maschinen der Firma DECKEL zu warten. Seit 2010 stellt das Unternehmen selbst Universalfräs- und Bohrmaschinen her. Davon sind etwa 70 Prozent Ausbildungsmaschinen, die zwar eine CNC-Steuerung besitzen, aber auch mechanisch über Handräder zu bedienen sind. In den vergangenen Jahren ist FPS schnell gewachsen, von 70 Mitarbeiter im Jahr 2007 auf aktuell 180 Mitarbeiter. Die meisten arbeiten am Hauptsitz in Warngau bei Holzkirchen, hinzu kommt ein Techniker-Team im Überholungswerk bei Stuttgart.

Potenzialanalyse – auch was für Sie?

Bei einer Potenzialanalyse besuchen Fachleute aus dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ihr Unternehmen und entwickeln gemeinsam mit Ihnen individuelle Lösungsvorschläge für den ersten Schritt in die Digitalisierung. Inspirieren Sie mit Ihrer Geschichte andere Unternehmen, die ähnliche Herausforderungen meistern wollen.

Füllen Sie einfach den Fragebogen aus, ein Mitarbeiter aus dem Kompetenzzentrum meldet sich bei Ihnen!