Anschluss schaffen für die Digitalisierung: Ein Hersteller von Industrieöfen meistert eine komplexe Produktion

Bei der Herstellung kundenindividueller Produkte gilt es für ein norwegisches Unternehmen komplexe Produktionsprozesse zu meistern – Unterstützung sollen hierbei Werkzeuge der Digitalisierung bieten. Doch eine Analyse vor Ort zeigt: Es lohnt sich zuvor über Standardisierung, Prozesse im Materiallager oder auch eine Modularisierung von Bauteilen nachzudenken. In diesen Vorarbeiten sollen die Grundlagen geschaffen werden, um darauf aufbauend weitere Potenziale mittels Digitalisierung zu heben – eine Roadmap zeigt praxisnahe Schritte für die kommenden Jahre auf.

Wenn ein LKW die Werkshallen von CH Evensen Industriovner AS zur Auslieferung verlässt, transportiert er industrielle Öfen jeglicher Größe. Vom kleinen Härteofen bis hin zu großen Turnkey-Wärmebehandlungslinien. Mit auf der Ladefläche verstaut sind oft fahrerlose Transportsysteme, Rollbahnen oder Fließbänder. Diese erlauben es den Kunden, die Trocknung oder Härtung vollautomatisch in die Produktion einzubinden. Das Unternehmen berücksichtigt unterschiedliche Kundenanforderungen und fertigt individuelle Öfen. Etwa 15 Industrieöfen fertigen die 39 Mitarbeiter pro Jahr.

Herausforderung: Nach dem Engineering endet die digitale Unterstützung

Preis dieser Individualität sind komplexe Entwicklungsprozesse. Für das Engineering werden moderne CAD-Tools wie Solidworks, Cosmos Flowworks und E-Plan genutzt. Nach der Planung gibt es jedoch kaum noch digitale Unterstützung. Das war die grundlegende Situation, die sich einer Expertengruppe des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg zeigte, als sie das Unternehmen Evensen südlich von Oslo besuchte. Anlässlich einer Potenzialanalyse identifizierte sie Verbesserungspotenziale, wie Evensen bei der Digitalisierung unterstützt werden kann.

Zunächst Komplexität reduzieren, wo es geht

Bei Evensen zielten die Empfehlungen darauf, Bauteile in einer ABC-Analyse zu klassifizieren und dann zu standardisieren – etwa die Schrauben M5 nur in bestimmten Längen zu nutzen. Solch eine Standardisierung zahlt sich über einen längeren Zeithorizont aus und erleichtert auch die Lagerhaltung. Momentan muss das Warenlager für jeden Auftrag alle Teile neu beschaffen und ist dementsprechend nicht ausreichend sortiert. Abhilfe schaffen würde außerdem, Module für die Maschinen einzuführen. So müssten weniger unterschiedliche Bauteile produziert werden und das Material-Handling sowie Montage-Prozesse werden vereinfacht.

Auch die Warenanlieferung könnte restrukturiert werden, indem ein Prozess definiert, was gemacht wird, wenn ein Teil ankommt. So werden Teile schneller gefunden und beispielsweise auf ihre Qualität hin überprüft und dokumentiert.

Anschluss schaffen für die Digitalisierung

Diese Themen sind erstmal keine digitalen Ansätze. Zieht das Unternehmen aber im ersten Schritt seine Prozesse glatt, eröffnen sich zahlreiche Digitalisierungspotenziale. Eine gut strukturierte Warenannahme und Lagerhaltung vermeiden Verschwendung und können im nächsten Schritt um ein Warenwirtschaftssystem ergänzt werden, das wiederum in einem ERP-System integriert durchgängige Prozesse schafft.

Ein weiterer Schritt kann dann sein, die Mitarbeiter in Produktion und Montage mit digitalen Assistenzsystemen von der Kommissionierung bis zur Endmontage zu unterstützen. Zudem besitzen die Öfen eine hochwertige Sensorik. Daten daraus können auf ein Display an den Maschinen angezeigt werden, um den Bedienern zeitnah Hinweise für die Wartung zu geben.

Insgesamt 23 Empfehlungen haben die Experten identifiziert und in einer Roadmap in Cluster gepackt. Diese ordnet zeitlich ein, wie Evensen die Empfehlungen in den nächsten drei Jahren angehen sollte und zeigt, wie lange die Umsetzung der einzelnen Digitalisierungsmöglichkeiten dauern wird und welche ineinandergreifen. Im ersten Schritt wollen sich die Norweger dem Thema Lagerhaltung zuwenden und die Materialhaltungslogiken überarbeiten. So soll die Produktionszeit reduziert und die Liefergenauigkeit erhöht werden – zwei wesentliche Ziele von Evensen, nicht zuletzt aufgrund der Nähe zum Kunden.

Anschluss schaffen für die Digitalisierung:

  • Eine strukturierte und standardisierte Lagerhaltung spart Zeit und erhöht schließlich die Liefergenauigkeit.
  • Eine modulare Bauweise reduziert den Bedarf an verschiedenartigen Bauteilen. Das vereinfacht sowohl Montage-Prozesse als auch das Material-Handling und die Lagerhaltung: Das Warenlager muss weniger Teile neu beschaffen und sortieren.
  • Sind diese Bereiche restrukturiert, kann im nächsten Schritt zum Beispiel ein Warenwirtschaftssystem die Prozesse weiter verbessern.

Unternehmensprofil:

CH Evensen Industriovner AS konstruiert und fertigt seit 80 Jahren industrielle Öfen jeglicher Größe mitsamt Lösungen für den Materialfluss. Das norwegische Unternehmen produziert südlich von Oslo in Fredrikstad und in Utena (Litauen) und hat insgesamt 39 Mitarbeiter. Die Kunden stammen aus einer Vielzahl von Branchen von Metall-, Fertigungs- und Chemie-Industrie bis hin zur Lebensmittelindustrie. Evensen beliefert auch die deutsche Automobil-Industrie.

Potenzialanalyse – auch was für Sie?

Bei einer Potenzialanalyse besuchen Fachleute aus dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ihr Unternehmen und entwickeln gemeinsam mit Ihnen individuelle Lösungsvorschläge für den ersten Schritt in die Digitalisierung. Inspirieren Sie mit Ihrer Geschichte andere Unternehmen, die ähnliche Herausforderungen meistern wollen.

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