Die Firma ME Industries – eine mittelständische Unternehmensgruppe mit rund 50 Mitarbeitern aus München – besuchte am 30. Juni das Kompetenzzentrum in Augsburg. Norman Weiß, der Geschäftsführer, und vier seiner Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen und Abteilungen warfen einen Blick „hinter die Kulissen“ von Industrie 4.0. Was hat es mit diesem Begriff auf sich und was steckt eigentlich an Technologien dahinter?

Die Brille für „erweiterte Realität“ blendet Informationen in das Sichtfeld ein und lässt sich mittels Gesten oder Sprache steuern. ©Fraunhofer IGCV

Einige dieser neuen Technologien wurden in der Demonstrationshalle am Fraunhofer IGCV in Augsburg vorgestellt und auch gleich getestet. Unsere Besucher forderten zum Beispiel einen Roboter per Fingerzeit dazu auf, ihnen einen Gegenstand zu überreichen – ein Anwendungsfall, der die Kooperation von Mensch und Roboter, ganz ohne Schutzzaun und intuitiv mittels Gestensteuerung, zeigt. Auch die „erweiterte Realität“ und die virtuelle Realität wurden von den Teilnehmern mit verschiedenen Datenbrillen getestet und bezüglich deren Einsatz in der Industrie diskutiert.

 

Weiter ging es für die Besucher in die Lernfabrik des Kompetenzzentrums, zum Lernspiel der papierlosen Produktion. Auch hier konnten die Teilnehmer die neuen Technologien eigenständig anwenden und testen: In einem Meisterbüro, auf mehreren Montagetischen und in einem Lager wurden Modellautos individuell nach Kundenwunsch zusammengefügt. In drei Runden wurden die Arbeitsschritte Schritt für Schritt digitalisiert. So konnten die Teilnehmer die Vorteile digitaler Unterstützer direkt erfahren und mit den vorherigen – noch papiergebundenen – Runden vergleichen. Weil die Lernfabrik noch im finalen Aufbau ist, wurde Runde drei erst einmal nur mündlich durchgesprochen. Laut Norman Weiß ist seine Firma also nicht das letzte Mal zu Gast: „Wir sind schon gespannt auf Runde drei und die Vorteile, die sich durch die digitale Vernetzung ergeben“.

 

 

Unsere Besucher steuern einen Roboter per Fingerzeig und lassen sich von ihm Gegenstände in die Hand reichen. ©Fraunhofer IGCV

Abschließend tauschten die Besucher Ihre Eindrücke des Tages und konkrete Ideen zur Umsetzung in der eigenen Produktion beim gemeinsamen Mittagessen aus. Norman Weiß hat seinen Mitarbeitern durch diesen Besuchstag die Möglichkeit geben, digitale Lösungen kennenzulernen und zu testen, um später eigene Ideen und Wünsche in den eigenen Entwicklungsprozess einbringen zu können: „Mir ist es wichtig, dass sich meine Mitarbeiter aktiv und kreativ in den digitalen Wandel bei uns im Unternehmen einbringen. Sie können am besten einschätzen, ob neue Technologien an ihrem Arbeitsplatz Sinn machen würden“. Außerdem sei ihm wichtig, dass sich sein Team im Umgang mit der digitalen Produktion wohlfühlt. Nur so ließe sich die Digitalisierung im Unternehmen erfolgreich und nachhaltig durchsetzen.

 

 

 

 

Beim Lernspiel in der Lernfabrik für vernetzte Produktion montieren die Teilnehmer ferngesteuerte Autos in drei Runden… ©Fraunhofer IGCV

…anfangs noch mit Auftragszettel und Anleitung auf Papier, später mittels RFID und Tablet. ©Fraunhofer IGCV

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stimmen der Mitarbeiter:

 

„Es war eine sehr interessante, informative Veranstaltung für mich. Auch wenn in Zukunft viel von Robotern übernommen werden könnte, gibt es erstmal jede Menge zu programmieren für die Zukunft und es gibt immer mehr nützliche Helferlein. Solange die Technik dem Menschen hilft ist alles gut!“ Robert Strohm, Application Engineer, Vorortservice, Projektplanung/-Begleitung

 

Beim geselligen Mittagessen tauschten die Besucher ihre Ideen aus, wie digitale Technologien in der eigenen Firma eingesetzt werden können. ©Fraunhofer IGCV

„Wir wurden recht herzlich am Fraunhofer empfangen – es war eine lockere Stimmung und gleichzeitig wurde der Bezug zum Wesentlichen nicht aus den Augen verloren. Mir hat der selbstfahrende Roboter besonders gefallen, da dieser den Fortschritt gut zeigt und auch meinen eigenen Interessen entspricht. Auch beim Lernspiel konnte man gut erkennen wo die Reise hingeht. Ich bin gespannt auf Runde 3, weil RFID auch für unsere Firma interessant wäre. Das ‚Papierlose‘ finde ich viel besser, praktischer, umweltschonender und Fehler-minimierter. Ich habe auf jeden Fall viele Anreize mitgenommen, was man so in unserer Firma integrieren könnte.“ Hans Obermaier, Praktikant

 

„Die Idee des Lernspiels finde ich gut, weil auch wirklich ein Aha-Effekt entsteht. Am meisten in Erinnerung geblieben ist mir aber die Diskussion ganz am Schluss. Ab wann fühlt man sich von zu viel Technik überwacht? Ich denke, man muss den richtigen Spagat zwischen Fertigung und Führungsebene finden. Ich selbst finde Verbesserungen und Fortschritt sehr wichtig, aber eine sensible Kommunikation muss stattfinden, um die Gemüter nicht zum Kochen zu bringen.“ Andreas Zolke, Projektmanagement, Kundenbetreuung, Geräte- und Prototypenbau, Elektronik

 

„Das Lernspiel war ein bisschen wie ein ‚Spielplatz‘ für Erwachsene bzw. Mitarbeiter. Auch den restlichen Tag haben wir uns noch zusammen Gedanken gemacht, was wir wie und wo bei uns in der Firma nutzen könnten. Wir sind also nicht nach Hause gefahren und das Thema war erledigt, sondern wir konnten wirklich etwas mitnehmen. Es war auch nicht so viel Theorie wie wir erwartet haben und durch die Praxisaufgaben fiel es uns einfach, sich etwas darunter vorzustellen.“ Markus Wiesenmayer, Reparatur/Projektmanagement